Jahresbericht (Juli 2005 - Juni 2006)

Posted by Luisa (luisa) on Sunday, 28th November, 2010
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Liebe Spenderinnen, Spender, Freunde und Bekannte
Ich freue mich, Ihnen von unserer Tätigkeit in Vietnam erzählen zu dürfen. Es war ein reges Jahr mit vielen freudigen Erlebnissen wie auch mit schwierigen Herausforderungen. xin chao arbeitet bereits seit vier Jahren für benachteiligte Kinder und konnte vieles bewirken und verbessern. Dank Ihnen und Ihren Spenden können wir dieser hilfreichen Aufgabe nachgehen. Sie ermöglichen direkte Hilfe vor Ort. Wir gehen mit dem Geld sorgsam um und kontrollieren jede Ausgabe. Im Januar 2006 hat xin chao eine Auszeichnung für nachhaltige Hilfe vom Volkskommittee von Zentralvietnam erhalten. Zu unserer Freude hat der Konsul der Schweizer Botschaft ein Konzert im Opernhaus Hanoi zu Gunsten des xin chao Sozialzentrums organisiert. Bitte lesen Sie die folgenden Berichte über unsere Aktivitäten.

xin chao Familie:
Die Renovation des Hauses ist abgeschlossen. Die neuen Zimmerdecken ermöglichten die Eliminierung der Ratten und es fällt nicht mehr ständig Staub aus den Deckenritzen. Jedes Schlafzimmer wurde mit neuen Ventilatoren ausgestattet. Die Holzbetten und Kommoden wurden geschliffen und neu lackiert. Die alte Hausfassade erhielt ein schönes blaues Kleid. Alle begrüssen diese Verbesserungen und Verschönerung und sind auch stolz darüber.
Seit vier Jahren unterstützt uns die Lehrerin Co Man und gibt den Schülern Nachhilfeunterricht. Anfangs wurde sie von den Kindern gemieden, da sie um ihre freie Zeit bangten. Mit viel Verständnis und Liebe näherte sie sich den Schützlingen und erteilte ihnen kontinuierlich den nötigen Hilfsunterricht. Dank ihr haben sich die Schulnoten unserer Kinder merklich verbessert. Dat, der seit vier Jahren im xin chao Kinderheim lebt, war anfangs wild und kein Freund der Schule und Hausaufgaben. In den letzten Jahren hat er sich gemausert und ist ein 18 jähriger junger Mann geworden. Im Juni hat er zu unserer Freude die Maturaklasse erfolgreich abgeschlossen und die Aufnahme-Prüfung an der Universität für Naturwissenschaft bestanden. Wir werden ihn weiterhin unterstützen und begleiten.
Letztes Jahr wurden wir mit vier jungen Welpen beschenkt, die mittlerweile erwachsene Hunde geworden sind. Anfangs machte ich mir Sorgen, dass die Kinder möglicherweise mit ihnen und der nötigen Pflege überfordert sein könnten. Heute möchte sie niemand mehr missen. Die Hunde schlagen in gewissen Situationen eine Brücke. Sie begrüssen die Kinder, wenn sie von der Schule oder der Arbeit nach Hause kommen. Auch ist der Austausch von Zärtlichkeiten oder Gefühlen beim Kraulen oder Streicheln förderlich. Viele unserer Kinder kommen aus zerrütteten Familienverhältnissen oder hatten früher Familie gar nie erleben können. Diese Freundschaft mit den Haustieren schenkt ihnen wichtige Erlebnisse und fördert den sozialen Austausch.

Re-Integration:
Wie wichtig ist die Reintegration unserer Jugendlichen! Ihr zukünftiges Leben ausserhalb des geschützten Umfeldes des Kinderheims ist eine grosse Herausforderung und wegweisend für ihr weiteres Leben. Ihre glückliche, stabile und sichere Zukunft ist unser Ziel. Seit Januar arbeitet Ms Ha für dieses Projekt. Sie hilft den Jugendlichen bei der Berufswahl, Arbeitssuche, Fragen zu Familie und Freunden, Wohnungssuche, Geldangelegenheiten und allen weiteren allfälligen Herausforderungen. Ihre Unterstützung wird sehr geschätzt. Dank ihrer Begleitung fühlen sich die erwachsenen Schützlinge nicht alleine gelassen und können mit Problemen besser umgehen. Wir gründeten im Juni 2006 den Re-Integrationsclub. Einmal im Monat treffen wir alle „Ehemaligen“ und erzählen einander vom Alltag, diskutieren Probleme und Fragen, suchen gemeinsam nach Lösungen und nehmen uns genügend Zeit, um miteinander zu singen, plaudern und spielen. Diese monatlichen Treffs ermutigen und motivieren die älteren ehemaligen Strassenkinder, nicht aufzugeben, auch wenn sie oft mehr Hindernisse überwinden müssen als ein „normales“ Kind. Letzte Woche konnten wir eine kleine Unterkunft für drei ältere Jungs finden. Als wir gegenüber der Hausdame erwähnten, dass die neuen Mieter aus dem Strassenkinder-Projekt stammen, stutzte sie und sagte nur, dass sie mit solchen Bastarden nichts zu tun haben möchte. Am folgenden Tag konnten wir mit der Hausbesitzerin nochmals eingehend sprechen. Danach hat sie dem Mietvertrag zugestimmt, was uns sehr erleichterte. Was würde aus diesen jungen Menschen ohne unsere Unterstützung werden? Haben sie nicht auch eine Chance verdient?

Ausbildung / Studienfond:
Wie sieht ein Leben ohne Grundausbildung aus? Das Glück in der Schweiz aufgewachsen zu sein, wird mir immer bewusster. Wir durften ohne Frage nach der Herkunft in die Schule gehen. Sogar Schulhefte, Schulbücher und Bleistifte wurden uns geschenkt. Heute darf ich mir dieses Glücks bewusst sein.
Vielleicht erinnern Sie sich an Diem, dem wir geholfen haben, sein Studium zu absolvieren? Letztes Jahr habe ich Ihnen erzählt, dass er sein Agronomiestudium erfolgreich abgeschlossen hat und ein Praktikum im Mekongdelta absolvierte. Am 1.Mai 2006 hat er eine Anstellung bei einer französischen Organisation erhalten, die für Umweltfragen im Hochland in Vietnam tätig ist. Dank dieser Festanstellung kann Diem seine Familie unterstützen und die Aufgabe mit seinem Vater teilen. Der ganzen Familie geht es merklich besser.

Gesundheitsfond:
Zehn Kinder mit schweren Augenkrankheiten aus dem Zentralhochland, wo es noch an fachgerechter medizinischer Betreuung fehlt, konnten dank unserer Initiative nach Danang kommen und im Augenspital behandelt werden. Vor und nach dem Spitalaufenthalt lebten sie in der xin chao Familie. Die Kinder und ihre Begleiter waren über die unerwartete Gastfreundschaft glücklich. Freundschaften entstanden. Die Ängste vor den Operationen wurden geteilt, wie auch die Freude, als die jungen Patienten mit schönen neuen Glasaugen heimkamen. Als sie ins Hochland zurückfuhren gab es Tränen. Eine schöne Freundschaft hat sich entwickelt. Als wir beispielsweise 30 Karton Nudeln von einer Touristin erhielten, teilten wir das Geschenk und sendeten 15 Schachteln zu unseren Freunden.

Es ist schön, dass Menschen einander helfen. In diesem Sinne grüsse ich Sie herzlich,
Luisa Koch

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